MEVLANA ŞEMSÜDDİN MUHAMMED RUCİ

Er war auch ein Anhänger des Verehrten Mevlana Sadeddin Kaşgari. Viele Jahre lud er die Interessenten in die Heratmoschee zu Allah ein. Er kam im Dorf Ruc in der Nähe von Herat in der Nacht der Vergebung (Berat) auf die Welt.

Seine Mutter verlor vor ihm ihren 5 jährigen Sohn. Sie trauerte unendlich. Eines Tages träumte sie von dem Prophet der Propheten. Er sprach sie an:

- Hab keinen Kummer. Lass dein Herz in Behagen. Allah wird dir einen stattlichen Sohn mit einem langen Leben schenken.

Und der Verehrte Mevlana Şemsüddin Muhammed kam auf die Welt.

Seine Mutter sagte oft dem Mevlana:

- Du bist der Sohn, der mir im Traum angekündigt wurde.

Mevlana Şemsüddin Muhammed war als Kind sehr zurückhaltend und lieber allein als unter Kindern. In seinem Vaterhaus bekam er eine Zelle und verbrachte seine Zeit meistens dort. Sein Vater war Händler, hatte eine Viehzucht und besaß viele Besitztümer. Der Verehrte Mevlana blieb diesen Berufen fern.

Er erzählte:

- Mein Ziel war es, Allahs Propheten im Traum zu sehen. Eines Tages kam ich in unser Haus und sah, wie meine Mutter mit ihren Freundinnen ein Buch las. Ich kam dazu. Meine Mutter las eine Fürbitte. Wenn man diese Fürbitte Freitags Nacht einige Male vorlesen würde, würde man von Allahs Propheten träumen. Ich freute mich sehr. An dem Tag war es auch Freitag Nacht. Ich erzählte mein Vorhaben meiner Mutter, dass ich in dieser Nacht diese Fürbitte lesen wollte. Sie ermutigte mich. Ich nahm das Buch und zog mich in eine ruhige Ecke zurück. Ich hatte auch gehört, dass wenn man 3000 mal die Lobpreisung (Salawat) für den Propheten aufsagt, man von Allahs Propheten träumen würde. Ich trug diese Fürbitte und 3000 mal die Lobpreisung für den Propheten vor. Es wurde Mitternacht. Ich legte meinen Kopf aufs Kissen und schlief.

Der Traum: Ich kam in unser Haus hinein, meine Mutter saß auf dem Sofa. Als sie mich sah, sagte sie: „Mein Sohn! Warum bist du so spät? Allahs Prophet ist in unserem Haus. Komm, ich bringe dich zu seinem Audienzort.“ Sie nahm meine Hand und wir gingen zum Audienzort. Allahs Prophet saß mit seinem Rücken Richtung Mekka. Um ihn herum waren viele Menschen. Einige bildeten im Stehen einen Kreis. Allahs Prophet war mit den Briefen der Propheten beschäftigt. Einer saß vor Allahs Propheten und schrieb, was ihm der Prophet befahl. Der Schreiber war der Mevlana Şerafeddin Osman, einer der Großen, berühmt als Wissenschaftler und durch seine Frömmigkeit. Meine Mutter brachte mich zu Allahs Propheten. Sie wartete nicht, bis die Beschäftigung des Propheten zuende ging. Sie sagte: „Oh, Allahs Prophet! Sie versprachen mir einen stattlichen Sohn mit einem langen Leben. Ist er dieses Kind oder nicht?“ Allahs Prophet lächelte und sagte: „Ja, er ist das Kind.“ Er drehte sich zu Mevlana Şerafeddin und befahl über dieses Thema einen Brief zu schreiben. Der Mevlana nahm ein Blatt Papier und einen Stift und schrieb einige Zeilen nieder. In diesen Zeilen schrieb er viele Namen in einer Reihenfolge auf. Er faltete den Brief und gab ihn mir. Ich nahm ihn und ging hinaus. Unterwegs dachte ich „Ich weiß nicht, was in dem Brief steht. Ich gehe lieber zurück und frage Allahs Propheten.“ Ich ging zurück und fragte ihn. Er las den Brief vor. Was er vorlas, wurde in mein Gehirn eingraviert. Er faltete den Brief und streckte ihn mir entgegen. Ich wollte noch etwas fragen, aber es ging nicht. Ich wurde durch ein Türgeräusch wach. Meine Tür stand offen. Meine Mutter stand mit dem Kerzenhalter in der Hand an der Tür. Sie sagte: „Hast du geträumt?“ Ich sagte: „Ja.“ Sie sagte: „Ich auch.“ Sie erzählte bis ins kleinste Detail meinen Traum, als hätten wir in wachem Zustand dies alles erlebt. Sie hatte den gleichen Traum.

Er sagte:

Als ich im Dorf Ruc war, bekam ich die Neigung, in einen Orden einzutreten. Ich fragte in meiner Umgebung nach, ob es in Herat einen Heiligen oder Erleuchtungskenner gab. Man schlug mir den Scheich Sadeddin Revasi vor. Da ich fieberhaft nach einem Mürschid suchte, sagte man mir: „Diese Person ist ein Nachfolger des seligen Scheichs Zeynüddin Hafi. Zur Zeit ist er mit der Erleuchtung der Mürids beschäftigt. Geh‘ und halte seinen Saum fest.“ Als ich diesen Rat bekam, lief ich schnell in die Stadt. Unterwegs kam ich an der Grabstätte des Scheich Zeynüddin Hafi vorbei. Der Scheich Sadeddin saß an der Grabstätte. Ich ging zu ihm hin und setzte mich in eine Ecke. Er war in einer Zikirgesellschaft. Ich konnte mich nicht zu erkennen geben. Nach kurzer Zeit brach in der Zikirgesellschaft ein Streit aus. Ich wunderte mich nur. Ich hatte aber kein Unbehagen. Ich verließ diese Gesellschaft und ging in die Stadt. Unterwegs traf ich einen Derwisch mit dem Namen Hafız İsmail. Wir stammten aus dem gleichen Dorf. Er erreichte vor mir den Verehrten Mevlana Sadedddin Kaşgari und war angenommen. Nach dem Tod des Verehrten Mevlana war er mit dem Verehrten Mevlana Cami zusammen auf der Pilgerfahrt nach Mekka und vervollkommnte seinen Segen. Der Hafız İsmail fragte mich: „Woher kommst du? Wohin gehst du? Und welches Ziel verfolgst du?“ Ich erzählte meinen traurigen und hoffnungslosen Zustand wegen des Streites in der Zikirgesellschaft. Er sagte: „Geh zur Heratmoschee. Dort wirst du einen Heiligen antreffen. Er macht auf dem Hof Sohbets. Schau ihn dir an. „Und er fügte hinzu: „Ich hoffe, dass sein Sohbet dich beeindruckt.“ Ich ging zur Heratmoschee. Der Verehrte Mevlana war auf der Gebetsloge der Moschee in einem Menschenkreis und schwieg. Ich lehnte mich an die Tür und blickte sein stattliches Schweigen an. Ich dachte gerade an den Streit in der Gesellschaft. Der Verehrte Mevlana hob seinen Kopf hoch, schaute mich an und sagte: „Bruder! Komm her!“ Ich ging hin. Er ließ mich neben sich setzen. Er sagte: „Wenn ein Diener vor den Audienzort des Şahruh Rıza aus vollem Hals ‘Şahruh, Şahruh’ schreien würde, stell dir diese peinliche Anstandslosigkeit vor. Anstand ist, dass man vor dem Herrscher und dem Mürschid schweigsam ist. Tumulte und unnötige laute Geräusche in einem Zikirkreis gehören den Dummen und den Unwissenden.“ Er schaute meine Hand an und sah den Ring an meinem Finger und sagte: „Wenn man um Etwas zu bitten gekommen ist, sollte die Hand nicht leer sein.“ Ich nahm den Ring ab. Er stand auf und ging in die Moschee hinein. Man gab mir von rechts und links das Zeichen: „Geh!...Hinter ihm her!“ Ich folgte ihm in die Moschee. Er setzte sich hin und ließ mich vor sich sitzen. Er erzählte mir die Regeln des Ordens und befahl mir: „Die Moschee als Platz hat einen sehr hohen Wert. Setz dich hier hin und arbeite an deinem Verhältnis zum Orden. Ich begann nach diesem Befehl zu arbeiten. Meine Mutter bekam mit, dass ich in den Orden eingetreten war. Sie kam aus dem Dorf zu Diensten des Verehrten Mevlana und nahm das Verhältnis des Ordens an. Später verrichtete ich mein fünfmaliges Namaz in dieser Moschee. In einer Nacht erschien mir nach dem Teheccüdnamaz das heilige Licht wie eine Fackel. Dieses Licht erhellte die Moschee. Das Licht wurde so hell, dass die Moschee wie im Tageslicht stand. Das dauerte bis morgens früh. Ich hatte durch diesen Zustand ein Gefühl von Stolz. Mit diesem stolzen Gefühl ging ich vor den Audienzort des Verehrten Mevlana. Er schaute mein Gesicht zornig an und sagte: „ Ich sehe dich in vollem Stolz. Muss denn jemand, der das heilige Licht der rituellen Waschung erblickt, derart stolz sein?“ Diese Warnung war mir eine Lehre. Ich versank vor Scham in den Boden. Der Verehrte Mevlana fügte hinzu: „ Als ich in den Diensten des Verehrten Mevlana Nizameddin Hamuş war, strömte nachts von rechts und links das heilige Licht aus, egal wo ich auch entlanging. Das verfolgte mich, wohin ich mich auch bewegte. Ich nahm es nicht so wichtig und schenkte ihm keine Beachtung.“ Ich konnte es nicht ertragen. Ich erzählte meine Sachlage dem Verehrten Mevlana. Er hörte zu. Hinterher war er noch zorniger und lauter. „Steh auf und geh!...Bleib mir fern. In diesem Zustand komm mir nicht unter die Augen.“ Ich verließ weinend den Audienzort und bat wegen meines Zustandes um Vergebung, um dieses Gefühl von Stolz auszuradieren. Ich brauchte viel Mühe, Fleiß und Arbeit. Durch die Hilfe der Geistlichkeit des Verehrten Mevlana verging dieser Zustand. Das heilige Licht erschien auch meiner Mutter. Sie empfand viel Freude durch diese Erscheinung. Sie konnte über diese Freude nicht hinwegkommen Sie blieb dort. In dieser Zeit begann ein Mann, mir viele übertriebene Komplimente zu machen. Ich konnte es nicht aushalten und fragte ihn: „Was ist der Grund für ihre Komplimente und ihre Verbundenheit?“ Er sagte: „Es war eine Nacht stockfinster. Ich saß außerhalb der Moschee. Plötzlich kam ein Mann vorbei und er trug in seiner Hand weder eine Leuchte noch einen Kerzenhalter. Seine Hände waren leer. Plötzlich wurde es hell. Der Mann ging weiter und das Licht mit ihm. Es herrschte wieder Dunkelheit. Dieser Mann waren sie.“ Der Mann sagte die Wahrheit. Ich konnte mich daran erinnern.

Er sagte:

- Nachdem ich die Dienste des Verehrte Mevlana erreichte, hatte ich lange Zeit keine Zeichen von dem Weg des Ordens erhalten. Ich war traurig und betrübt. Nachts weinte ich in der Moschee und schlug meinen Kopf auf den Boden. Eines Tages sah der Verehrte Mevlana mich in Tränen und sagte: „Weine!... Lass das Flehen und Weinen nicht los! Damit du soweit kommst, dass du Zielscheibe des Erbarmens wirst. Tränen und Flehen verursachen ein großes Werk.“ Ich weinte sowieso seit meiner Kindheit viel. Ich hatte die Begabung für die Tränen. Nach diesen Worten schaute er mich mit Liebenswürdigkeit an, so dass mir der Anteil meines Verhältnisses sofort erschien. Nach dieser Erscheinung saß ich in der Moschee und versuchte, mich mit Murakabe zu beschäftigen. Gegen Mitternacht wurde ich so schläfrig, dass ich aufstand, um meinen Schlaf abzuschütteln. Ich sah überraschend den Verehrten Mevlana. Er saß hinter mir und war mit Murakabe beschäftigt. Ich hatte nicht mitbekommen, wann er gekommen war und sich hinter mich gesetzt hatte. Ich war traurig und versuchte, hinter ihm Platz zu nehmen. Er hob seinen heiligen Kopf hoch: „Şemsüddin! Warum bist du aufgestanden?“ Ich sagte: „Um meinen Schlaf loszuwerden.“ Er blickte mich derart an, als würde der Himmel in mich kommen. Das Ordensverhältnis kam mit voller Reife zustande.

Mevlana Şehabüddin Ahmed erzählte:

Eines morgens war ich im Sohbet des Verehrten Mevlana Sadeddin. Er erzählte: „In dieser Nacht hat man dem Sohn des Kamelhändlers so eine Eroberung gegeben, dass die Engel der sieben Himmel neidisch wurden.“ Wir verstanden, dass die gemeinte Person der Mevlana Şemsüddin Muhammed war, denn sein Vater züchtete Kamele.

Er sagte:

- Unser Mürschid, der Verehrte Mevlana Sadeddin, hatte so eine Befugnismacht, dass er jedem, dem er wollte, jederzeit den Trank des Heiligenverhältnisses des ‚Hadschegans‘ trinken lassen konnte. Dadurch konnte er denjenigen durch den geistlichen Rausch von sich entbinden lassen. Eines Tages ging ich mit dem Verehrten Mevlana. Wir kamen bei einer Mescid an. Der Muezzin rief den Gebetsruf für das Abendnamaz. Wir gingen in die Mescid hinein und verrichteten unser Abendnamaz. An diesem Tag wurde in dieser Mescid der gesamte Koran vorgelesen (Hatim). Die Hafız (Jemand, der den Koran auswendig rezitiern kann) waren versammelt. Die Lichter waren an und es kamen viele Menschen zusammen. Der Verehrte Mevlana setzte sich in eine Ecke gegenüber in Richtung Kaabe. Ich ging hinter ihm her und setzte mich auch hinter ihn Richtung Kaabe. Ich richtete mein Herz zu ihm. Er hob seinen Kopf , drehte sich zu mir und gab mir ein Zeichen, mich neben ihn zu setzen. Ich versuchte zu ihm zu gehen und mich neben ihn zu setzen. Mit einem Blick des Verehrten Mevlana war ich bewußtlos. Ich hatte keine Erinnerung daran, wie ich mich hinsetzte, wie der Koran, Gebetshymnen und Gedichte vorgetragen wurden. Ich konnte auch nicht die Anwesenden spüren. Als ich zu mir kam, rief der Muezzin den Gebetsruf zum Yatsınamaz.

Er sagte:

- Ich saß außerhalb der Moschee und hielt in meiner Hand das Buch ‚Mesnevi‘ (ein Werk des Mevlana Celaleddin Rumi). Plötzlich sah ich den Verehrten Mevlana. Er sah das Buch in meiner Hand und fragte mich: „Was ist das für ein Buch, das du da liest?“ Ich sagte: „Mesnevi.“ Er sagt: „Man ist nicht fertig, wenn man ‚Mesnevi‘ gelesen hat. Der Sinn und die Weisheit müssen in deinem Herz aufgehen. Daran muss man arbeiten.“ Eines Tages kam er in meine Zelle. Er sah im Schrank den Koran und fragte mich: „Was ist das für ein Buch?“ Ich sagte: „Koran.“ Er sagte: „Man sollte sich mit den Worten des Tevhid beschäftigen, wenn man am Anfang seines Weges steht. Den Koran zu lesen ist die Sache der Mittelmäßigen, das freiwillig verrichtete Namaz ist für Fortgeschrittene. Sie sollten sich mit ‚Verbannen und Beweisen“ beschäftigen.‘

Er sagte:

-Als ich beim Verehrten Mevlana ankam, arbeitete ich intensiv. Mit aller Kraft gab ich mich dem Verhältnis des heiligen ‚Hadschgans‘ hin. Ich verlor meine Fähigkeit, mich zu bewegen, weil ich von nachts bis morgens ohne meine Position zu verändern, dasaß. Wenn unter meinen Knieen Steine wären in Größe einer Haselnuss oder Walnuss, hätte mich das gar nicht gestört. Ich hatte keine Zeit, diese Steine wegzuräumen, so war mein Herz beschäftigt. Am Anfang meines Zustandes saß ich in der Ecke einer Mescid im Schneidersitz. Plötzlich hörte ich eine gewaltige Stimme: „Oh, du Anstandloser! Sitzen etwa die Diener so vor dem Sultan?“ Ich sprang hoch und kniete nieder. Dabei stach ein kleiner Stein in mein Knie. Es kamen Tränen aus meinen Augen durch diesen Schmerz. Von diesem Zeitpunkt an konnte ich 40 Jahre lang nicht im Schneidersitz sitzen.

Er sagte:

- Unser Mürschid, der Verehrte Mevlana Said, stieg auf einen Maulesel und machte sich auf den Weg, um den Scheich Bahaeddin Ömer zu sehen. Ich ritt vor ihm auf einem Esel. Unterwegs bekam ich Durst. Ich fand keine Gelegenheit, etwas zu trinken. Wir ritten weiter. Der Verehrte Mevlana rief nach mir: „Du bist durstig, nicht wahr?“ Ich sagte: „Ja.“ Er sagte: „Seit wir aus der Stadt raus sind, fühle ich den Durst. Ich dachte, es kommt von mir. Jedoch dein Durst hat sich auf mich übertragen.“ Ich trank etwas Wasser und löschte meinen Durst. Der Verehrte Mevlana verspürte auch keinen Durst mehr. Wir kamen im Besuchsort an. Ich nahm den Talar und den Spazierstock des Verehrten Mevlana und zog mich etwas zurück. Der Scheich und Mevlana fingen an, Sohbet zu führen. Da ich etwas abseits saß, konnte ich die Gespräche nicht mitbekommen. Ich wollte dem Scheich meine Liebenswürdigkeiten zuwenden, darum richtete ich meine Geistlichkeit ihm zu. Der Scheich Bahaeddin schrie laut: „He, was machst du da?“ Dann lächelte er mich an. Ich schaute den Verehrten Mevlana an und sah, dass er mich ebenfalls anlächelte. Eigentlich war meine Zuwendung nur für einen kurzen Moment, aber die Wirkung der Zuwendung war ziemlich groß und dauerte einige Tage an wie ein unaufhörlicher Regen. Ich suchte den Verehrten Mevlana auf. „Warum können die Großen die Last nicht tragen, sich nicht davor schützen, obwohl ich ihm nur meinen Glauben und meine Geistlichkeit zugewendet habe?“

Er sagte: „Es gibt eine Nähe zwischen den Großen und Allah innerhalb der Geheimniswelt. Wenn ein Mürid sich den Großen zuwendet, stört er diese Nähe, die zwischen ihnen und Allah besteht. Die Großen ziehen diese Zuwendung auf sich. Da sie diese Zuwendung nicht aushalten können, fangen sie an zu schreien.“

Er sagte:

- Am Anfang saß ich Richtung Kaabe unter einer Gebetsloge in einer Moschee. Ich beschäftigte mich mit meinem Zikir. Plötzlich erschien vor mir eine merkwürdige Gestalt. Diese Gestalt sah aus wie ein Mensch. Sie war schwarz, sehr schmächtig und sehr lang. So lang, dass ihr Kopf die Decke der Gebetsloge brühren konnte. Ihr Kopf war so klein wie eine Kokosnuss. Ihr Mund war offen und die Zähne waren weiß wie Milch. Ihr Hals war lang und sehr dünn wie ein Strich. Sie kam lachend auf mich zu. Mal beugte sie sich, mal richtete sie sich auf. Ihre Bewegungen waren sonderbar. Ich dachte für mich: „Wahrscheinlich ist es ein Ungetüm, über das man immer wieder erzählte.“ Ich hatte so eine Ahnung, dass es mich von meinem Zikir abhalten wollte. Ich wendete mich mit aller Kraft meinem Orden zu und fuhr fort mit meinem Zikir. Es machte alle möglichen Verrenkungen, aber es schaffte es nicht. Es kam auf mich zu. Ich beachtete es nicht und machte mit meiner Arbeit weiter. Es sah, dass ich meine Arbeit nicht ließ und sprang auf meine Schulter und band seine Beine wie eine Schnur um meine Taille. In dieser Lage blieb ich auch regungslos und machte mit meiner Arbeit weiter. Kurze Zeit später löste es seine Beine von meiner Taille und stieg wie ein Rauch hoch und verschwand. Ich erlebte nach diesem Ereignis nie wieder Derartiges.

Er sagte:

- Eines Tages lag ich auf meiner rechten Seite auf dem Hof der Moschee und beobachtete den Himmel und die Sterne. Plötzlich sah ich, wie die Sterne wie Tau herab fielen und auf mich zu kamen. Ich sah die Sterne so nah, als ob ich sie mit meinen Händen fangen könnte. Dieses Erlebnis vermittelte mir das Gefühl, dass ich mich verloren hatte. Dieser Zustand hielt bis zum frühen Morgen an.

Er erzählte:

- Es war wieder am Anfang. Ich saß meinem Vater gegenüber. Es kam ein Gefühl über mich als ob ich mich verlieren würde. Ich sagte meinem Vater: „Vielleicht verliere ich mich, passt bitte auf mich auf und sagt mir, wieviele Namazzeiten ich verpasst habe.“ Mein Gefühl bewahrheitete sich. Ich verlor mein Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam, sah ich meinen Vater an meinem Kopfende weinen. Ich fragte ihn, warum er weinen würde. Er sagte: „Warum soll ich nicht weinen? Seit drei Tagen liegst du hier wie ein Toter. Wir gaben dir Suppe auf deinen Mund, aber du hast nicht geschluckt. Wir hatten unsere Hoffnung auf dein Leben schon aufgegeben.“ Ich rechnete nach. Ich hatte fünfzehn Namazzeiten verpasst. Ich stand auf und verrichtete meine verpassten Namaz (Kaza-Namazı).

Er sagte:

- Während ich mich anfangs nur ab und zu verlor, kam es später täglich vor. Es ging soweit, dass meine bewusste Zeit weniger war als die bewusstlose. Dann änderte es sich wieder und meine bewusste Zeit wurde wieder mehr. Ich ging zum Verehrten Mevlana und erzählte ihm von meinem Kummer. Er sagte: „Hab keine Angst! Die Ursache dieses Zustandes ‚Sich zu verlieren‘ kommt wegen der Schwäche der inneren Geistlichkeit. Jetzt ist deine innere Geistlichkeit stark geworden. Dieser Zustand ist nun eine Bestandteil deiner Persönlichkeit.“

Der Zustand (Hal) in der Terminologie des Tasavvuf entsteht durch die Gnade und den Segen Allahs. Das bringt beim Mürid einige Veränderungen und lässt verschiedene Sachverhalte entstehen. Diese Änderungen und verschiedenen Sachverhalte wie Trauer, Freude, Behagen, Unbehagen hängen nicht vom Willen oder Wunsch des Mürid ab. Ein Merkmal des Zustandes ist, dass er nicht dauerhaft anhält, sondern schnell wieder vergeht. Eins noch: er zeigt auch viele verschiedene Erscheinungen. Wenn der Zustand von außen nicht mehr ersichtlich ist und fester Bestandteil der Persönlichkeit geworden ist, nennt man ihn ‚Makam‘ (Amt- feste Stellung). Das gehört zur Eigenheit des Mürids. Also beim Zustand verfügt der Mürid über keine Befugnismacht. Verschiedene Sachverhalte halten den Mürid unter ihrer Befugnismacht. Wenn der Zustand bei einem Mürid ‚Makam‘ geworden ist, hat er die verschiedenen Sachverhalte unter seiner Befugnismacht. Die Tasavvufkenner beschreiben den ‚Zustand‘ (Hal) als Spende und das ‚Makam‘ als Gewinn.

Er sagte:

- Am Anfang meines Zustandes war ich nach dem Befehl des Verehrten Mevlana ständig in der Moschee von Herat. Nachts bis früh morgens lief ich in der Moschee umher und weinte ständig. Ich litt, weil die Früchte meines Verhältnisses noch nicht in Erscheinung getreten waren. Ich schlug meinen Kopf auf die Steine der Mescid und bekam Beulen in der Größe von Walnüssen am Kopf. Ich verließ die Mescid nur, um meine nötigen Bedürfnisse zu erledigen. Einmal waren die Stadttore von Herat 40 Tage lang geschlossen. Die Menschen füllten die Moschee bis oben hin. Normalerweise ist die Moschee nur zum Freitagsgebet derart überfüllt. Ich fragte aber nicht nach, warum die Moschee nun so voll war. Ich hatte also keinen Kontakt zur Außenwelt. Erst als sich die Stadttore wieder öffneten, bekam ich von den Menschen mit, dass sie 40 Tage veschlossen waren. Ich fragte nach, warum man die Stadttore überhaupt verschlossen hatte. Sie fragten mit Erstaunen: „Warst du denn nicht in der Stadt?“ In der Zeit, als ich in der Moschee zurückgezogen lebte, bekam ich tage- und nächtelang kein Essen. Ich hatte vor Hunger keine Kraft mehr und wollte hinaus gehen, um etwas zu Essen zu besorgen. Ich setzte meinen linken Fuß aus der Moschee auf die Straße. Bevor ich meinen rechten Fuß bewegte, kam eine Stimme aus mir: „Tauscht du unser Sohbet gegen ein Brot?“ Ich zog meinen Fuß wieder zurück und schlug auf mein Gesicht. Der Abdruck meiner Hand blieb einen Woche lang auf meinem Gesicht. Nachdem ich mich geschlagen hatte, ging ich zurück in die Moschee und setzte mich in eine Ecke. Ich sagte zu mir: „Auch wenn du vor Hunger stirbst, gehst du nicht für Essen nach draußen.“ Ich nahm es mir fest vor. Plötzlich war ich in einem Zustand, in dem ich kein Hungergefühl mehr spürte. In diesem Moment kam ein Mann herein. Ohne ein Wort legte er Essbares vor mich und ging wieder wortlos davon. Diese Haltung des Mannes gefiel mir mehr als das Essen, dass er mitgebracht hatte.

Er sagte:

- Während meiner Beschäftigung mit dem Verhältnis und mit der Beständigkeit zu dem Verehrten Mevlana verliebte ich mich in eine Schönheit. Meine Liebe wurde immer stärker. Meine Liebe erfüllte mein Herz, sodass ich mein Rabıta zum Verehrten Mevlana verlor. Ich verfiel dieser Liebe und brach meine Beziehung zum Verehrten Mevlana ab. Mein Schamgefühl verhinderte mich in meinem Zustand und in der Eigenschaft vor den Audienzort des Verehrten Mevlana zu treten. Meine Furcht und Entsetzen gingen soweit, dass ich mich umdrehte und davon lief, wenn ich den Verehrten Mevlana nur von Weitem sah. Ich wußte keinen Ausweg mehr und war deswegen sehr verlegen und ärgerlich auf mein Nefs. Ich konnte mich von diesem Joch nicht befreien. Ich wurde in den Abgrund gezogen und sank immer tiefer, um mein Leid loszuwerden. Ich konnte nicht anders handeln. Eines Tages traf ich auf der Straße den Verehrten Mevlana von Angesicht zu Angesicht. Ich hatte keine Möglichkeit, davon zu laufen. Vor Scham senkte ich den Kopf und erwartete seinen Befehl. Ich schwitze Blut und Wasser. Er fasste mit seinen Händen meine Brust und trug zwei Verse aus ‘Mesnevi’ vor:

GEDICHT

Bin ich dein Geliebter, Oh! Du Mann im Kreis
Verlass mit keinem Atemzug, woran dein Herz gebunden ist.

Und mit einem Blick fegte er die Liebe zu der Schönheit aus meinem Herzen hinaus.

Er sagte:

- Es war ein Junge im Kreis unseres Mürschids, des Verehrten Mevlana Kaşgari. Er war fortgeschritten in seinem Zustand und in der Verliebtheit. Er war auch genauso wie ich in eine Schönheit verliebt. Er gab seinen gesparten Schatz im geistlichen Sinne an die Außenwelt ab. Er legte Gold und Bergkristalle auf den Weg der Schönheit. Er versteckte sich in der Nähe, damit die Gechenke nicht von Fremden genommen werden. Er dachte sich, wenn die Schönheit diese Geschenke sieht, würde sie sie mitnehmen ohne zu wissen, von wem die Geschenke stammen. Als ich das hörte, sagte ich ihm: „Was für eine merkwürdige Einstellung hast du?“ Du legst deinen mit soviel Mühe und Fleiß erworbenen Lohn einfach auf die Straße. Falls sie die Geschenke findet und an sich nimmt, weiß sie ja gar nicht, von wem sie sind und wozu das ist. Du müsstest es so arrangieren, das sie weiß, dass die Geschenke von dir sind.“ Er antwortete mit Tränen in den Augen. „Was sagst du da? Meinst du, ich weiß nicht, dass ich etwas Merkwürdiges tue? Für mein Tun erwarte ich keine Gegenleistung. Ich möchte nicht, dass sie wegen dieser Geschenke mir gegenüber eine Dankesschuld empfindet.“ Nach dieser Antwort zitterte ich am ganzen Körper. So eine Liebe kann nur ein Zeichen der Liebe Allahs an sich sein.

Er sagte:

- Der Verehrte Mevlana fragte mich: „Kennst du den Zustand von diesem Jemanden?“ Der gemeinte Jemand kam von Weitem nach Herat, um zu studieren. Nachdem er den Verehrten Mevlana sah, brach er sein Studium ab und wurde ein Anhänger des Verehrten Mevlana. Er zog sich von Allen und Allem zurück. Er wohnte in einer Zelle der islamischen Hochschule. Er war auch nicht mit den Anhängern des Verehrten Mevlana zusammen. Er verbrachte seine Zeit in Schweigen und mit Nachdenken. Er war immmer betrübt. Ich gab auf die Frage des Verehrten Mevlana folgende Antwort: „Ich kenne seinen Zustand nicht. Aber ich nehme an, dass er sich mit der inneren Geistlichkeit beschäftigt.“ Er sagte: „Geh eines Tages zu ihm und erfahre seinen Zustand. Du verlässt ihn nicht, bevor du nicht seinen Zustand erfahren hast.“ Nach diesem Befehl ging ich in die Zelle der Hochschule. Eine zeitlang beobachtete ich seinen Zustand und fragte ihn: „Womit beschäftigen sie sich? Sie sitzen immer in dieser Ecke und haben keinen Kontakt zu den anderen. Sie sind fern von Sohbets mit Freunden. Sie sind wie ein Vogel, der den Schwarm verlassen hat. Was ist der Grund für ihre Einsamkeit?“ Er sagte: „Ich bin ein Mensch, der immer in der Fremde ist. Ich habe kein Talent, mich mit Menschen in Kontakt zu bringen. Vor allem nicht mit den Gefährten des Verehrten Mevlana. Ich bin es nicht wert, dass man mit mir eine Beziehung aufbaut. Ich möchte niemandem zur Last fallen. Darum bleibe ich den Menschen fern.“ Seine Antwort überzeugte mich nicht. „Es muss einen überzeugenden Grund geben für ihre Scheu und Zurückhaltung. Den müssen sie mir nennen.“ Er sagte: „ Das ist eine merkwürdige Beharrlichkeit. Warum kommen sie auf mich?“ Ich sagte: „Ich wurde vom Verehrten Mevlana beauftragt. Bevor sie mir ihren wahren Grund nicht erzählen, darf ich sie nicht verlassen.“ Nach diesen Worten änderte er seine Haltung und erzählte: „Ich war in einem seltsamen Zustand. Man kann ihn nicht in Worte fassen. Ich kann nur soviel sagen, dass ich nach jedem Yatsınamaz in meine Zelle zurückkehrte und begann nach der Methode des ‘Hadschgans’ zu arbeiten. Dabei überwältigte mich ein unendliches heiliges Licht wie ein Meer. Dies Meer umfasste mich von überall. Ich verlor mich und blieb bis morgens früh in diesem Zustand. Tagsüber war ich regungslos durch dieses fröhliche heilige Licht. Das ist jetzt ein dauerhafter Zustand.“ Diese Worte beeindruckten mich bis in die Seele. Ich beneidete ihn. Er erweckte bei mir das Gefühl von Eifer. Als ich den Verehrten Mevlana traf, fragte er mich nach ihm, ob ich seinen Zustand in Erfahrung gebracht hatte. Ich verstand die Absicht des Verehrten Mevlana, mir über seinen Anhänger ein Beispiel zu geben. Der Vater des Verehrten Mevlana Sadeddin Kaşgari, Hace Külan, schickte gelegentlich Essen zu diesem Mann, der alle drei Tage sein Fasten brach. Er aß so als wäre er satt und würde sich mit dem Essen quälen. Eine andere Person, die gerne diente und großzügig war, bekam mit, dass dieser Mann kaum etwas aß. Diese Person beauftragte ein Kind, jeden Tag lekkeres Essen auf einem Tablett zu bringen. Am ersten Tag ließ der Mann das Kind sich hinsetzen und sorgte dafür, dass es das ganze Essen allein aß. Das Kind kam mit den leeren Tellern nach Hause und sagte seinem Herrn: „Dieser Gelehrte aß mit Freude dieses Essen und betete für euch.“ Das Kind verheimlichte also. Diese Situation dauerte eine Zeitlang, bis der Auftraggeber dahinter kam, was eigentlich vor sich ging. Er tadelte das Kind und schickte kein Essen mehr in die Hochschule.

Er sagte:

- Mein Vater war vor dem Audienzort des Verehrten Mevlana. Ich war in seinen Diensten. Mein Vater befahl mir, eine Arbeit zu tun. Der Verehrte Mevlana sagte meinem Vater: „Er ist nicht das Kind, das du kennst.“ Und er fügte hinzu: „Der Vater des Verehrten Bahaeddin Nakşibend wurde krank. Der Verehrte Hodscha beauftragte zwei Derwische, um dem Vater zu dienen. Sein Vater behandelte die beiden Derwische sehr schlecht und beleidigte sie. Der Verehrte Şah-ı Nakşibend bekam das mit und begab sich ans Krankenbett seines Vaters und sagte: ‘Vater diese Derwische dienen für das Einverständnis Allahs. Wir müssen ihnen große Achtung und Ehre erweisen. Warum behandeln Sie sie so hart und schlecht?’ Sein Vater antwortete: ‘Ich bin dein Vater. Soll ich etwa von dir einen Rat annehmen?’ ‘Ja! Richtig, Sie werden von mir den Rat annehmen. Sie haben mich auf weltlicher Ebene erzogen, aber ich erziehe Sie auf der geistlichen Ebene.’ Als der Vater von seinem Sohn, dem Verehrten Hodscha, diese Worte hörte, ließ er die schlechte Behandlung sein.“ Mein Vater wurde von dieser Geschichte des Verehrten Mevlana sehr betrübt. Von diesem Moment an gab er mir keine Befehle mehr. Er zeigte mir Achtung und Respekt. Ich schämte mich deswegen, aber ich konnte es nicht verhindern.

Er erzählte:

- Als der Verehrte Mevlana Sadeddin Kaşgari das erstemal im Sterbebett lag, kam ein Halveti Scheich (Halveti = Name eines Ordens)mit seinem Mürid, den Verehrten Mevlana zu besuchen. Sie unterhielten sich eine zeitlang. Der Halveti Scheich bat um Erlaubnis, nach seiner Art Zikir machen zu dürfen. Der Verehrte Mevlana anwortete: „Das wäre sehr passend.“ Sie fingen an, nach ihrer Art offenes Zikir zu machen. Nach dem Zikir und anschließendem Murakabe fragte der Scheich den Verehrten Mevlana: „Ist es wahr, dass sie von unserem Propheten abstammen?“ Der Verehrte Mevlana bestätigte diese Frage. Der Scheich sagte: „Sie haben die Ehre, von Allahs Propheten abzustammen. Obwohl es nicht erlaubt ist, dies zu verstecken, lassen sie ihre Abstammung vom Propheten ein lebenlang nicht bekannt werden.“ Der Verehrte Mevlana antwortete: „Nach dem Tod meines Vaters blieb uns ein Dokument über unsere Abstammung. Ich versteckte dies Dokument in einem Mauerloch und mauerte es zu, damit wir es mit diesem Dokument nicht kund tun und unser Ego füttern. Wenn ich nicht gefragt würde, würde ich auch niemandem darüber erzählen. Das war meine Entscheidung. Bis jetzt hat mich niemand gefragt. Sie haben eben gefragt und ich verheimlichte ihnen das nicht. Ich erzählte nur, wie es war. Der Verehrte Mevlana fragte den Scheich: „Was ist der Grund für ihre Frage über meine Abstammung?“ Der Scheich sagte: „Eben, nach dem Zikir, war ich in Murakabe. Da erschien mir Allahs Prophet und sagte: ‘Unsere Sohn Sadeddin hat zwei von seinen Mürids auf die Stufe der Heiligen gebracht und an uns abgegeben.’ Das war der Grund.“ Der Verehrte Mevlana sagte: „Er hätte die Zahl der Mürids höher nennen müssen.“ Der Mürid des Scheichs sagte: „Die Ohren unseres Scheichs hören etwas schwer. Er hat zweiunddreißig als zwei verstanden.“ Der Verehrte Mevlana lobte die Intelligenz und das Benehmen des Mürids vor dem Audienzort und fügte hinzu: „Mit der Erlaubnis Allahs haben 32 Mürids die Stufe der Heiligen erreicht.“ Als der Verehrte Mevlana diese Worte sagte, dachte ich für mich, ob ich auch unter den 32 Mürids bin oder nicht. Der Verehrte Mevlana drehte sich zu mir und lächelte mich an, aber er sagte nicht, ob ich darunter war oder nicht.

Als der Verehrte Mevlana Şemsüddin Muhammed Ruci in Mekka wohnhaft war, hatte er eine enge Beziehung zu dem Verehrten Scheich Abdulkebir. Wie vorher erwähnt, war Scheich Abdulkebir einer der Größten seiner Zeit. Als der Verehrte Scheich aus dem Jemen nach Mekka kam, hatte er sich seit einem Jahr weder satt gegessen noch seinen Durst richtig gelöscht. Trotzdem vernachlässigte er die Umkreisung der Kaabe nicht. Er hatte seit einem Jahr seine Ruhe nur in ‘Ettehiyati’ gefunden, wenn man sich beim Namaz hinsetzt, nirgendwo sonst.

Er sagte:

- Als ich die Gesellschaft des Verehrten Scheichs erreichte, sah ich viele Größen anwesend. Ich setzte mich in die hinteren Reihen. Etwas später hob er seinen Kopf, sah mich und fragte: „Wer ist das?“ Einige, die mich kannten, antworteten: „Er ist aus der Ahnenreihe des Nakşibends.“ Es gefiel ihm und er sagte: „Schön, sehr schön. Sie sind von den Treuen und den Erlösenden.“ Man sollte sich vorstellen, dass der Verehrte Scheich sehr streng und wählerisch war bei den Menschen. Wenn man von Großen wie Cüneyd oder Şibli etwas überlieferte und es ihm nicht gefiel, kritisierte er es sofort und sagte: „Falsche Worte.“

Eines Tages sagte er: „Ich hatte einen Vater. Er konnte auf dem Wasser gehen und in der Luft fliegen. Aber vom Geruch des Tevhids hatte er nichts mitbekommen.“

Eines Tages war seine Gesellschaft überfüllt. Die Menschen befanden sich in geistlicher Verliebtheit. Als die Anwesenden ihm folgten, sagte er aus heiterem Himmel: „Allah kennt keine Verschollenheit.“ Diese Worte schockierten alle Anwesenden. Es war ja gegen die Scharia. Er fügte hinzu: „Weil es für Allah keine Verschollenheit existiert. Für Allah ist alles offenkundig. Es gibt für Allah keine Geheimnisse. Daher kann die Verschollenheit für Allah nicht in der Form existieren. Wenn man mit Verschollenheit das Nichtvorhandensein meint, reicht das menschliche Wissen nicht aus, das Nichtvorhandensein zu erklären. Der Begriff Verschollenheit im Koran steht für menschliche Verhältnisse, nicht für Allah.“ Während der Verehrte Scheich all die Feinheiten erklärte, sprach er so, dass jeder ihn verstehen konnte. Er reduzierte seine eigentliche Absicht und sprach auf der Ebene der Anwesenden.

Der Autor von ‘Rinnsal’:

- Ich fragte Şemseddin Muhammed Ruci nach der Auslegung „..seine eigentliche Absicht reduziert.“ Was meinte er mit diesen Worten? Was war seine eigentliche Absicht? Ich wollte das Geheimnis darin erfahren. Er sagte: „ Bei ‘Allah an sich’ in der absoluten Form und auf der Stufe der Identität fallen all die Verhältnisse und Relationen weg. Auf dieser Stufe ist von der Verschollenheit nicht mehr zu Rede.

Er sagte:

- Der Verehrte Scheich aß kein Fleisch. Er erklärte es so:

„Es kommt mir seltsam vor, wie Menschen Fleisch essen können. Wie kann der Mensch überhaupt ein lebendiges Wesen, das ihn mit den Augen anblickt, abschlachten und noch mit Appetit sein Fleich essen? Aus diesen Worten wurde verständlich, dass der Verehrte Scheich Kebir in seiner Zeit zu der Gruppe der ‚Ebdal‘ (sich im heiligen Schein befindende Gruppe) angehörte. Die Ebdals tun den Tieren nichts an, geschweige den schlachten und essen sie diese. Aus dem Grund ist die Wahrnehmung von Gegenständen und Existenzen auf dieser Stufe möglich.

Er sagte:

- Der Verehrte Scheich hielt lange Fastenzeit. Er brach sein Fasten mit einem Plätzchen (Süneyk) und anderem Proviant auf einem Holzteller. Er nahm das Plätzchen und weichte es mit Zemzemwasser auf und aß. Das war sein Essen nach der langen Fastenzeit.

Er sagte:

- Nachdem ich die Sohbets des Verehrten Scheichs verließ, kam ich in Ägypten an. Dort erfuhr ich, dass ein großer Scheich aus Ägypten geträumt hatte, dass ein großer Heiliger sein Augenlicht verlieren würde und die Stufe ‚Gavs-Kutup‘ (Oberster Heiliger) erreichen würde, auf der er zwei Jahre bleiben und anschließend ins Jenseits gehen würde. Es verging viel Zeit. Der Verehrte Scheich Abdulkebir verlor sein Augenlicht. So lebte er noch zwei Jahre lang und dann starb er. Seine Grabstätte liegt in Mekka. Er war so berühmt, dass die Herzenskenner seine Grabstätte besuchten.

Ich hörte von Hafız Kaşgari, der in der Gesellschaft des Verehrten Hodscha Muhammed Parisa war: „Wir waren vor dem Audienzort des Verehrten Hodscha. Wir alle schwiegen. Das Schweigen dauerte ziemlich lange an. Ich konnte es nicht mehr aushalten. Damit wir von ihm etwas profitieren können, bat ich ihn, einige Worte zu sagen. Er sagte: „Wer von unserem Schweigen nichts bekommt, der bekommt von unseren Worten auch nichts.“

Eines Tages verglich Jemand den Bewerber dieses Weges mit einem Falken. Er wollte, dass der Falke nur einmal losfliegen darf, um Beute zu fangen und gleichgültig, ob er Beute findet oder nicht, sollte er auf seinem Platz sitzen bleiben. So empfahl dieser jemand. Er entgegnete: „Ja! Der Bewerber muss wie ein Falke sein. Er soll aber nicht versuchen, zu fliegen. Er soll sich mit einem Stück Knochen begnügen.“

Eines Tages erzählte er: „Die Menschen sind merkwürdig. Sie sagen, wenn es Morgen wird, tue ich Dies und Jenes. Aber sie wissen nicht, dass Heute das gestrige Morgen ist. Was haben sie denn heute getan, dass sie morgen etwas tun würden?“

Am Ende seines Lebensabends sagte er:

- Seit dreißig Jahren hatte die Unachtsamkeit keine Macht bei mir. Wenn ich mich der Unachtsamkeit zuwenden wollte, wäre es nicht möglich.

Er sagte:

- Mein Zustand ähnelt einem Wasservogel. Mal taucht er tief ein, mal schwimmt er.

Mit diesen Worten zeigte er, dass er sich auf der Stufe ‚Summe der Summen‘ (Cem-ül Cem) befand. Auf dieser Stufe beobachtet man Allah und die Menschen gleichzeitig.

Der Autor von ‚Rinnsal‘:

- Wenn der Diener mit seiner Vergänglichkeit die Berechtigung der Ewigkeit erreicht, wird er mit Allahs heiliger Eigenschaft (Sübhani) bestückt und bekommt ein zweites Dasein. Dies zweite Dasein verfügt über geistliche und weltliche Stufen der Existenz und zeigt sich durch die Erscheinungen ‚Gut und Böse‘ (Cemal- Celal). Er sieht Allah im Spiegel der Menschen und die Menschen sieht er auf dem Gesicht Allahs ohne irgenteinen Schleier. Er sieht im Spiegel der Menschen die Vollkommenheit Allahs und was er auf dem Gesicht Allahs sieht, ist das Nichtvorhandensein der Menschen. Was die Dienerschaft betrifft, ist keiner so bescheiden und gehorsam, wie das zweite Dasein. Da es mit heiligen Eigenschaften Allahs bestückt ist, ist seine Macht in der Wahrheit unvorstellbar. Der Inhaber dieser Eigenschaften betrachtet sich als Diener und als arm. Sein Blick richtet sich auf die Allmächtigkeit Allahs. So eine Person hat seine weltliche Existenz mit Scharia und seine innere mit dem Orden und der Wahrheit bestückt. Sie achtet all die heiligen Maße und bewahrt sie auf und ist äußerst achtsam. Aber es kommt ein Moment, da trinkt sie von dem heiligen Trankschenker den Tevhidwein, der ihren Verstand nimmt, sich selbst und die Außenwelt vergessen lässt. Aus der daraus folgenden Wahrheit kommt die Stimme „Alles ist Allah - Heme ost“. Dieser Zustand entsteht, wenn sich der Grund der Schöpfung des Mürids in dem Grund des Schöpfers auflöst und aufgibt. Der Mürid sieht seine gesamte Existenz im Meer der Einheit ertrinken, sich auflösen und beenden. Erst dann hört man aus ihm die Worte, die gegen die Regeln der Scharia sind, wie die berühmten Worte von Mansur, Cüneyd und Beyazıd-ı Bestami. Sie sind in diesem Zustand jenseits ihres Verstandes und der Förmlichkeit. Ihre Worte und Gestalten sind wie in der Geschichte ‘Der Baum und das Feuer’ des Verehrten Moses. Also, als die Worte gesagt wurden, waren Mansur, Cüneyd und Beyazıt-ı Bestami nicht existent bzw. nicht vorhanden. Die Finsternis der Welt der Möglichkeiten dauert solange an, bis die Wahrheitssonne erscheint. Die Weisheit der Worte lautet: „Die Wahrheit kam - der Aberglaube ging“. Dieses Thema ist wie ein unendlicher Ozean. Man kann es nicht erreichen, nicht überwinden und in seiner Art nicht mit Worten erklären.

Er sagte:

- Der Verehrte Scheich Muhiddin-i Arabi erzählte: „Einigen Heiligen zeigt man nach ihren Zeiten strenger Enthaltsamkeit das Geheimnis der Weltentstehung. In einer Nacht habe ich mir von Allah die Bedeutung dieser Erscheinung gewünscht. Es wurde mir etwas sichtbar. Es wäre unmöglich, dass die Menschen diese Last ertragen könnten. Durch diese geistliche Last wäre mein Körper beinahe zerborsten. Ich bat Allah, dies Geheimnis vor mir zu verstekken. So konnte ich mich retten.“

Nachdem der Verehrte Mevlana Şemseddin Muhammed Ruci diese Worte überliefert hatte, sagte er:

- Wenn man mich in meinem Zustand lassen würde, würde ich meinen Mund nicht aufmachen. Das was ich sagte, war nur aus Not.

Die Wundertaten des Verehrten Mevlana:

- Als der Verehrte Mevlana ein kleines Kind war, stieg er auf eins der Kamele seines Vaters und ritt hin und her. Der Kamelpfleger hatte nicht gesehen, wie der kleine Mevlana auf das Kamel gestiegen war, weil er in dem Moment nicht da war. Als Mevlana mit dem Kamel ankam, regte der Mann sich fürchterlich auf und zornig zwang er das Kamel mit seinem Reiter niederzuknieen, ohne dabei auf seinen Reiter zu achten. Der Mevlana verletzte sich überall. Die Mutter des Mevlana schimpfte mit dem Kamelpfleger und sie war ärgerlich auf ihr Kind. Sie schimpfte auch mit dem Kind. In der Nacht schlief der Kamelpfleger neben den Kamelen. Das Kamel stand plötzlich auf, kam zu dem Pfleger und trampelte auf ihn. Durch die Schreie des Kamelpflegers erwachten alle Hausbewohner. Sie alle versuchten, den Kamelpfleger vor dem Tier zu retten, aber sie schafften es nicht. Dieses Ereignis machte alle über den kleinen Mevlana nachdenklich. Das kleine Kind besaß etwas Geheimnisvolles.

Ein Junge, der auf einer Baustelle arbeitete, trank Alkohol und führte ein ausschweifendes Leben. Er hatte auch sehr schlechte Freunde. Als der Junge gerade auf der Baustelle an der Straße arbeitete, hatte er Baugeräte in den Händen und Dreck und Schlamm befleckten seine Kleidung. Er saß auf einem Querbalken und seine Beine hingen herab. In diesem Moment ging der Verehrte Mevlana vorbei. Als der Junge den Verehrten Mevlana sah, zog er sofort seine Beine hoch, stand auf und wartete mit Achtung bis der Mevlana vorbei gegangen war. Diese Haltung des Jungen gefiel dem Verehrten Mevlana so gut, dass er seinen Blick erhob und auf den oben stehenden Jungen richtete. Er schaute ihn lange und tief an. Danach ging er weg. Der Junge war wie vom Blitz getroffen und rannte mit seiner dreckigen Kleidung hinter dem Mevlana her. Er erreichte den Mevlana in der Moschee. Er verneigte seinen Kopf vor dem Verehrten Mevlana. Nach diesem Treffen trank der Junge keinen Alkohol mehr. Er verließ seine alten Lebensgewohnheiten. Er war mit nur einem Blick des Verehrten Mevlana seine gefangene Beute. Er trat auf den Weg der geistlichen Meisterhaftigkeit ein.

Der Verehrte Mevlana saß mit seinen Gefährten in einer Moschee.

Einer aus der Runde dachte sich:

- Wenn die Heiligen jemanden anvisieren, nehmen sie ihn unter ihre Befugnismacht. Ich weiß nicht. Ich sehe keine Anzeichen bei Mevlana. Vielleicht liegt das Problem nicht bei ihm, sondern liegt an unserer Unfähigkeit. Wir wollen wahrscheinlich keine Befugnismacht.

In diesem Moment fing sich bei ihm einiges an zu bewegen, als würde sein Herz mit einer Pinzette festgehalten und gezogen. Er hob seinen Kopf hoch und schaute. Der Blick des Verehrten Mevlana war auf ihn gerichtet. Er spürte einen tiefen Genuss vermischt mit Schmerz und er fiel einfach auf den Boden um. Er blieb stundenlang ohnmächtig ohne sich zu bewegen.

(Vermerk: In dem Buch ‚Büyük Kapı’ von Necip Fazıl steht, wie er diesen Zustand persönlich erlebte.)

Als der Autor von Rinnsal hinter dem Verehrten Mevlana Namaz verrichtete, achtete er auf die Füße des Verehrten Mevlana. Er verlegte sein Gewicht auf seinen rechten Fuß und der linke Fuß blieb regungslos. Er fand diese Haltung ungewöhnlich. Ob sich diese Haltung dem Anstand des Namaz gehört? Die Antwort kam zu seinem Erstaunen nach seinem Namaz, bevor er etwas fragen konnte. Der Verehrte Mevlana hatte als Kind auf seinem linken Fuß Erfrierungsverletzungen erlitten. Dieser Schaden blieb für immer.

Wieder der Autor von ‚Rinnsal‘: Er sah den Verehrten Mevlana im Traum, beide Augen geschlossen. Er wachte auf und war sehr traurig. Er konnte diesen Traum nicht für sich deuten. Um ihn zu verstehen, ging er zum Verehrten Mevlana. Er hatte jedoch keinen Mut, die Frage zu stellen. Er wartete darauf, dass der Verehrte Mevlana den Traum von sich aus deutete. Es vergingen Stunden. Der Verehrte Mevlana kümmerte sich nicht darum. Überraschend löste sich das Geheimnis. Der Verehrte Mevlana sagte:

- Ein Auge eines Menschen richtet sich zur der Welt, das andere richtet sich zu der Welt der Engel. Wenn im Traum das linke Auge zu ist, sieht er die Welt nicht. Er ist in die Welt der Engel eingetaucht. Wenn das rechte Auge zu ist, ist es das Gegenteil. Er sieht die Welt der Engel nicht und bleibt bei der Welt hängen. Das erste ist für den Mittelstand, das zweite ist für die niedere Schicht. Es gibt eine noch höhere Möglichkeit. Dafür müssen beide Augen geschlossen sein. Man sieht weder die Welt, noch die Welt der Engel, sondern nur die Welt der Allmächtigkeit und das Heiligtum. Diese Sicht gehört den Großen.

Im Jahre 904 n.H,, am 16. Tag im Ramadan, hörte der Verehrte Mevlana auf zu atmen. Seine Krankheit dauerte 40 Tage an. Ein Tag vor seinem Tod war der Autor von Rinnsal, Scheich Safiyüddin, vor seinem Audienzort.

Er sollte erzählen:

- Er machte Komplimente zu diesem Bettler und sagte: „Du bist jetzt das Pflegekind unseres Verehrten Mevlana Sadeddin. Jetzt kann keiner dir das Wasser reichen. Du bist auf dem Schoß der Großen und bist geschützt. Du erreichst das Behagen und das Glück. Lass dein Herz erfreuen, dein Wunsch ist erfüllt.“ Er machte ihm noch weitere Komplimente und Liebenswürdigkeiten. In diesem Moment fragte einer der Gefährten: „Nach ihnen, wem sollen wir uns zuwenden?“ Er sagte: „zu wem sie die Neigung und den festen Glauben haben, zu ihm wenden sie sich.“ Man fragte ihn noch einmal: „Wie wäre es, wenn wir uns weiterhin ihnen zuwenden würden?“ Er sagte: „Es wird nicht schaden.“ Und fügte hinzu: „Es sind die Persönlichkeiten, die alles festlegen. Sie gehen von einem Zustand zum anderen und von einer Eigenschaft zu einer anderen Eigenschaft.“ Ich verstand aus diesen Worten, dass diese Persönlichkeiten auf der Stufe ‚Verwaltung und Erleuchtung‘ die Nachfolger festlegen. Wenn sie in das Jenseits gehen, sterben sie nicht. Sie gehen von einem Haus in das andere Haus. Nach diesen Regeln verändern sie ihren Zustand und die Eigenschaften. Diese Veränderungen hindern sie nicht, weiterhin Segen zu schenken. Ihre Segen wird sogar noch reichlicher, wenn sie im Jenseits sind. Wenn sie den weltlichen Körper verlassen haben, bekommen sie keine Krankheiten, Hindernisse und die anderen Einflüsse. Als der Verehrte Sultan Veled, Sohn des Verehrten Celaleddin Rumi, im Sterbebett sagte: „Wenn meine Seele meinen Körper verlässt, seid nicht traurig. Ihr solltest eure Hoffnungen nicht aufgeben. Stellt euch das mal vor, wenn ein Schwert gebraucht wird, muss es aus der Scheide heraus.“ Währenddessen fragte jemand den Verehrten Mevlana Şemseddin Muhammed Ruci nach Murakabe: „ Wie ist die Methode von Murakabe?“ Er antwortete: „Unsere Methode bei Murakabe ist eine Seltenheit und sehr schön. Aber es ist schwer. Sie sollten sich mit ‘Verbannen und Beweisen’ beschäftigen. Woran sie glauben und womit sie verbunden sind, das ist rechtens und wahr. Sie sollten es erreichen.“ Etwas später sagte er in Gedanken versunken: „ Jetzt unsere Stimme...Allah...Allah“. Dieser Bettler erzählte diese Worte des Verehrten Mevlana dem Mevlana Abdulgaffur. Er sagte: „Wenn ich diese Worte bei seiner Gesundheit gehört hätte, hätte ich sofort seinen Saum festgehalten und seine Dienste angenommen.“ Er bereute sehr, dass er die Sohbets des Verehrten Mevlana verpasst hatte. Der Verehrte Mevlana ließ einen Tag später, am 16. Ramadan am frühen Morgen ein Häufchen Erde bringen und machte damit Teyemmüm (Ersatzwaschung) und verrichtete das Morgennamaz mit Zeichen. Nachdem die Sonne aufging, wurden seine Atemzüge dichter. Aus seinen Atemzügen kamen die Laute „Allah, Allah“. Bis zum letzten Moment verlor er nicht sein Bewusstsein. Man sah, wie er sein Herz noch stärker an das Verhältnis ‘Hadschegans’ heften wollte. In diesem Moment kam jemand, der von Ordensgeheimnissen keine Ahnung hatte. Er wiederholte laut die Worte des Tevhid. Es war nicht der Moment von ‘Verbannen und Beweisen’. Er war auf der Stufe ‘Abstraktum und Absoluter Beweis’. Der Verehrte Mevlana gab seine Seele mit den Lauten „Allah... Allah...“ ab. Es kam von Herzen. Am 17. Ramadan wurde sein Leichnam außerhalb der Stadt auf den Festplatz gebracht. Die Menschen kamen in Scharen von außerhalb der Stadt, aus der Stadt, von Weitem und aus der näheren Umgebung. Das Bestattungsnamaz wurde mit unzähligen Menschen verrichtet. Anschließend wurde sein Leichnam neben der heiligen Grabstätte des Verehrten Mevlana Sadeddin Kaşgaris beerdigt. Nach zwei Monaten nahmen die Gefährten auf einige Drängende hin seinen heiligen Leichnam von dort und beerdigten ihn in der Umgebung der Grabstätte des Verehrten Abdullah Ensari, wo man für ihn einen Platz vorbereitet hatte. Über ihn haben viele Menschen Lobpreisungen, Trauerode und Geschichten geschrieben.